Hand mit Füllfeder auf liniertem Notizheft mit Text: Geschlechtergerechte Sprache wirkt!

auch wenn es für viele Menschen schon gesellschaftlicher Konsens ist, dass eine geschlechtergerechte Sprache wichtig ist, wird dies auf der anderen Seite auch seit Jahren beständig zur Diskussion gestellt.

Sprache kann Barrieren abbauen

Geschlechtergerechte oder gendergerechte Sprache hat zum Ziel, alle Geschlechter anzusprechen und zu repräsentieren. Sprache aktiviert bestimmte Bilder in unseren Köpfen. Diese nehmen bewusst und unbewusst Einfluss auf unsere Haltungen und Handlungen.

Wie schreibe ich gendergerecht?

Dazu gibt es verschiedene Formen wie zum Beispiel: das Gender-Sternchen, den Unterstrich, das Binnen-I, den Doppelpunkt oder die genderneutrale Schreibweise. Letzteres ist vor allem in Hinblick auf barrierefreies Lesen zu bevorzugen, allerdings nicht in jedem Fall umsetzbar. Für Screenreader sind dagegen Sonderzeichen im Wortinneren häufig problematisch. Im Sinne der Barrierefreiheit ist es insofern besser, wenn die binären Bezeichnungen ausgeschrieben werden (z.B. Fußballer und Fußballerin). Allerdings sind in dieser Form, nichtbinäre Menschen unsichtbar. Die perfekte Form in Sachen geschlechtergerechtes Formulieren gibt es also nicht. 

Unsere Position

pauakids ist bemüht, genderneutral zu formulieren. Wo das nicht möglich ist, werden wir in Zukunft abwechseln zwischen der screenreaderfreundlichen Form, die binären Bezeichnungen auszuschreiben und jener, die auch am ehesten die nichtbinäre Community einschließt, dem Doppelpunkt. 

Gendergerecht – warum überhaupt?

Sprache schafft Bewusstsein. Oder versuche einmal dir einen Feuerwehrmann vorzustellen, in der Zehntelsekunde in der du Feuerwehrfrau liest oder hörst. Schwierig, oder? 😉 

Doch das ist noch längst nicht alles. Dieses benennen und sichtbar machen hat noch weitere Wirkungen auf uns. 

Geschlechtergerechte Sprache baut Barrieren ab

Kind springt auf Wiesenweg über imaginäre Hürde

Das Autorenteam Vervecken und Hannover hat in einer Studie mit Schulkindern etwas Spannendes herausgefunden. Berufe, die als männlich dominiert gelten, werden als weniger schwierig wahrgenommen, wenn sowohl die männliche als auch die weibliche Berufsbezeichnung genannt wird. Sowohl Mädchen als auch Jungen trauen sich diese Berufe dann eher zu.

Das Studien-Design

In diesem Experiment wurden Kindern Fragen zu bestimmten Berufsbildern gestellt. Diese wurden im Vorfeld danach eingeteilt, ob sie als eher von Männern ausgeübte Berufe gelten, als neutrale Berufe oder als eher von Frauen ausgeübt. Eine Vergleichsgruppe bekam die Berufsbezeichnungen im generischen Maskulinum präsentiert, also nur mit der männlichen Benennung. Eine zweite Gruppe bekam die Berufe in der männlichen und weiblichen Bezeichnung vorgelegt. Zum Beispiel: „Erfinder und Erfinderinnen: Personen, die neue Sachen entdecken.“ oder „Kosmetikerinnen und Kosmetiker: Leute, die andere hübsch machen.“ Zu diesen Berufsfeldern wurden den Kindern dann Einschätzungsfragen gestellt. Zum Beispiel wie viel diese Menschen verdienen oder wie schwierig der Beruf zu erlernen und auszuüben ist.

Mehr Gehalt für Berufe im generischen Maskulinum

Vervecken und Hannover fanden in diesem Experiment heraus, dass männlich dominierten Berufsbildern, wie der Elektriker, von Buben mehr Gehalt beigemessen wurde, wenn sie nur in der männlichen Form vorgestellt wurden. Wurden sie in der männlichen und weiblichen Form vorgestellt, wiesen Jungen dem Berufsbild ein niedrigeres Gehalt zu.

Bei Berufen, die als neutral oder als weiblich dominiert gelten, hatte es keine Auswirkung auf die Gehaltseinschätzung, wenn die Berufsbezeichnung geschlechtergerecht präsentiert wurde. 

Männer-Berufe gelten als schwieriger

Ähnlich verhielt es sich bei den Fragen nach der Schwierigkeit und ob sich die Kinder diesen Beruf selbst zutrauen würden. Bei männlich dominierten Berufsbildern schätzte die Vergleichsgruppe, mit dem generischen Maskulinum, den Beruf als schwieriger ein. Damit einhergehend trauten sich den Beruf auch weniger Kinder zu. Das betraf, erstaunlicherweise, sowohl Mädchen als auch Buben. Bei neutralen und weiblich dominierten Berufsbildern gab es hier wiederum keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Experimentgruppen.

Genderneutralität fördert Selbstvertrauen

Kinder schätzen die Berufsbilder also, wenn sie geschlechtergerecht präsentiert werden, anders ein und trauen sich jene Berufe, die als schwieriger wahrgenommen werden, dann eher selbst zu. Dies ist ein weiterer, klarer Beweis dafür, dass eine genderreflektierende Sprache Auswirkungen auf unser Bewusstsein hat und unsere Vorstellungen von der Welt beeinflusst.

Umso unverständlicher warum dies dann immer wieder aufs Neue diskutiert werden muss. Aber gut, Menschen sind in Sachen Veränderung eher schwerfällig und träge. 

Es ist auch klar, dass eine genderneutrale und -faire Sprache nicht die alleinige Lösung für mehr Gerechtigkeit auf der Welt ist. Aber es ist ein wichtiger Mosaikstein im großen Ganzen.

Quelle

VERVECKEN, Dries/HANNOVER, Bettina: Yes I Can! Effects of Gender Fair Job Descriptions on Children’s Perceptions of Job Status, Job Difficulty, and Vocational Self-Efficacy. Freie Universität Berlin. 2015. 

Hier der Link zum Download bei researchgate.net

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